GUSTAVE COURBET
Der Kompromisslose
Er prägte als Maler eine ganze Epoche in der europäischen Kunst des 19. Jahrhunderts, war eine Schlüsselfigur des Realismus und galt zudem als aufmüpfiger Geist.
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Gustave Courbet Paysage côtier / Küstenlandschaft, 1866 Öl auf Leinwand, 46,2 × 55,6 cm © Leopold Museum, Wien, Foto: Leopold Museum, Wien. Bildquelle © Museum Folkwang Essen |
Der Maler Gustave Courbet (1819–1877) war eine Ausnahmeerscheinung. Ein Virtuose in Öl auf Leinwand wie in Kohlezeichnungen. Das Essener Museum Folkwang bietet nun die Chance, Courbets kompromisslosen Realismus, seine künstlerische Unabhängigkeit und seinen gesellschaftlichen Widerstandsgeist zu entdecken. Die Folkwang-Schau Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell ist eines der Highlights im rheinischen Kunstkalender dieses Jahres.
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Gustave Courbet L‘Homme à la pipe, um 1849 Öl auf Leinwand © Musée Fabre de Montpellier Méditerranée Métropole / Foto: Frédéric Jaulmes. Bildquelle © Museum Folkwang Essen
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Lebenslang blieb Courbet seiner Heimat, der ostfranzösischen Franche-Comté verbunden. Etwa ein Drittel seines gesamten Werkes schuf er dort, insbesondere rund um seinen Geburtsort Ornans.
Landschaftsmalerei kann durchaus als einer seiner künstlerischen Schwerpunkte angesehen werden. Wenngleich andere Motive, etwa Portraits, seinen Ruhm begründeten.
Gustave Courbet verstand die unmittelbare Naturbeobachtung als Möglichkeit, die Wirklichkeit abzubilden und sich malerisch einer unverfälschten Wahrheit zu nähern. Landschaften, pittoreske Felsformationen, bretonische und normannische Küsten, Grotten oder Wasserfälle wurden zum Ausgangspunkt seiner neuen Naturauffassung. Mit seiner materialbetonten, pastosen Malweise entwickelt er eine Bildsprache, die den Weg in die Moderne ebnete.
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Gustave Courbet Femme nue au chien / Weiblicher Akt mit Hund, 1861/62 Öl auf Leinwand 65 × 81 cm Musée d'Orsay, Paris © bpk / GrandPalaisRmn / Hervé Lewandowski. Bildquelle © Museum Folkwang Essen |
Es waren Akte und Frauenbildnisse, die bei Courbet bekanntlich eine herausragende Rolle einnahmen. Aber er stellte Frauen anders dar, als es den Konventionen der akademischen Malerei seiner Zeit entsprach. Statt idealisierter Schönheit standen reale Körperlichkeit, Materialität der Malweise und Gegenwärtigkeit der Figuren im Mittelpunkt, wie es im Museum Folkwang heißt.
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Gustave Courbet L'Origine du monde / Der Ursprung der Welt, 1866 Öl auf Leinwand 46 × 55 cm Musée d'Orsay, Paris © bpk / GrandPalaisRmn / Hervé Lewandowski. Bildquelle © Museum Folkwang Essen
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Wer von Gustave Courbets Aktmalerei spricht, kommt an dem berühmten Werk „Der Ursprung der Welt“ (L’Origine du Monde) von 1866 nicht vorbei. Jener Darstellung eines weiblichen Schoßes in radikaler Nahsicht, die es nie zuvor so je ohne mythologische Verklärung gegeben hatte.
Das Werk wurde, wegen Unzumutbarkeit, erst rund 130 Jahre nach der Entstehung einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht, das war 1995.
Wie radikal der Ostfranzose dachte und handelte, bezeugen seine vielzitierten Kommentare. 1870, da war er gerade 51 Jahre alt, ließ er verlauten: „Wenn ich dereinst nicht mehr lebe, soll man sagen: ‚Dieser Mann gehörte nie einer Schule, keiner Kirche, keiner Institution, keiner Akademie und insbesondere keinem Regime an, ausgenommen dem Regime der Freiheit.‘“
Courbets besonderes Merkmal: Er malte die Welt schlichtweg wie sie war! Den Alltag sozusagen! Er widmete sich volksnah einfachen Frauen und Männern mit ihren oft schweren Tagesgeschäften und gab ihnen Würde. Es waren Werke mit dem Prädikat Echtheit und Ursprünglichkeit, also „Authentizität“. Mit dieser Form des modernen Realismus schrieb sich der Freigeist Courbet in die Kunstgeschichte ein.
Früh entschied er sich gegen den vorgezeichneten Weg akademischer Ausbildung und studierte stattdessen die Werke der großen Meister in den Pariser Museen. Seine Kunst richtete sich auf die ungeschönte Darstellung der Wirklichkeit – ein Ansatz, der ihm Bewunderung ebenso wie heftige Ablehnung und Anfeindungen einbrachte.
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Gustave Courbet Jo, la belle Irlandaise / Jo, die schöne Irin, 1866 Öl auf Leinwand 54 × 65 cm © Nationalmuseum, Stockholm Foto: Nationalmuseum. Bildquelle © Museum Folkwang Essen |
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Gustave Courbet Le Fou de peur / Der vor Angst Wahnsinnige, um 1844 Öl auf Leinwand, 60,5 × 50 cm Foto: Børre Høstland / Nasjonalmuseet, Oslo. Bildquelle © Museum Folkwang Essen
Félix Nadar Porträt von Gustave Courbet, 1866 © Leopold Museum, Wien, Schenkung Christian Skrein, Foto: Leopold Museum, Wien.
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Eines war ihm schon von Anfang an wichtig. Er wußte, dass er sich im besten Sinne selbst vermarkten musste. Das funktionierte, wie heute bekannt ist, formidabel.
Mit einem von Selbstbewusstsein strotzenden Auftreten, absoluter künstlerischer Autonomie und einer unstillbaren Lust an Provokationen und Streitereien sowie einer damals als revolutionär gescholtenen Malweise machte er sich im kunstsatten Paris einen Namen. Danach im ganzen Lande und auch im Ausland.
Ab 1844 stellte er regelmäßig im Pariser Salon aus. Dort erregten seine Bilder große Aufmerksamkeit und fanden auch erste Anerkennung. Er positionierte sich dabei gegen akademische Konventionen und wurde dafür von konservativen Kunstkritikern geächtet und verspottet.
Es mangelte bei ihm nicht an Resilienz. Denn all das Getöse diente nur einem Zweck: Courbet wollte sein Image als Rebell in der Kunstszene stärken.
Aber wie alle Rebellen hatte auch der Mann aus der ländlichen Franche-Comté eine seelische Schublade für konventionelle Malerei und Kunst: In zahlreichen Porträts, Landschaften und Stillleben schuf er Gemälde, die in scharfem Kontrast zu den hektischen – politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen – Umbrüchen seiner Zeit standen. Dennoch: Das Ich war ihm am wichtigsten. Wie auch der gewählte Titel der Essener Folkwang-Ausstellung folgerichtig erkennen lässt.
Was leicht übersehen wird: Courbet war nicht nur ein künstlerischer Erneuerer, er war auch eine politisch engagierte Persönlichkeit. Er reagierte in seinen Werken immer wieder auf die politischen Ereignisse und Umbrüche in Frankreich. In wenigen Jahren – zwischen 1848 und 1855 – entstanden seine bahnbrechenden, gesellschaftskritischen Werke, spätestens von da an wurde deutlich, dass für ihn Kunst und Politik untrennbar miteinander verbunden waren.
Als politisch Verfolgter musste Gustave Courbet Paris und seine Heimatgemeinde Ornans am pittoresken Loue-Fluss 1873 verlassen. Er verbrachte die letzten Lebensjahre im Exil in der nahen Schweiz. Viele seiner letzten Bilder zeigen Motive aus La Tour-de-Peilz und der Landschaft rund um den Genfer See. Mehr zum 200. Geburtstag von Gustave Courbet und dem Musée Courbet in seiner Heimatstadt Ornans hier.
rART/cpw
► Viele Werke, so betonte das Museum Folkwang, wie zum Beispiel L’Origine du monde, wurden bisher nur selten verliehen oder noch nie in Deutschland ausgestellt. Auf rund 900 Quadratmetern versammelt die Ausstellung 100 Exponate, darunter Leihgaben aus internationalen Museen und Sammlungen wie Musée d’Orsay in Paris, Metropolitan Museum of Art in New York, das Kunstmuseum Bern, die Alte Nationalgalerie in Berlin, das Leopold Museum in Wien und das Musée Fabre in Montpellier.
► Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Leopold Museum Wien. Die Schau verzeichnete dort über 100.000 Besucher. Sie steht unter der gemeinsamen Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Emmanuel Macron, Präsident der Französischen Republik, sowie unter dem Ehrenschutz von Alexander Van der Bellen, Bundespräsident der Republik Österreich
Die Ausstellung Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell wird bis zum 8. November 2026 gezeigt.
Museum Folkwang
Museumsplatz 1
45128 Essen
Tel 0201 / 8845-444
Öffnungszeiten
DI, MI + SO 10 – 18 Uhr
DO + FR 10 – 20 Uhr



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