rheinische ART
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rheinische ART 03/2026

STILLLEBEN
Barocke Blütenpracht


Nichts ist so vergänglich wie ein blühender Strauß Blumen, und doch verewigen Künstler diesen seit Jahrhunderten obsessiv auf Leinwand. Das Arrangement in der Vase - das Blumenstillleben - ist weit mehr als nur „Deko“ für das bürgerliche Wohnzimmer. Wer genau hinschaut, kann es entdecken: das Spiel mit dem Tod, dem Prestige und der menschlichen Sehnsucht, den Moment festzuhalten.

 

Ambrosius Bosschaert I Blumenkörbchen auf einer Marmorplatte, Öl auf Kupfer, Privatbesitz © Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

 

Der Barock (cirka 1600–1750) war die Blütezeit – wortwörtlich – des Blumenstilllebens. In dieser Epoche wandelte sich die Blume von einem bloßen schmückenden Beiwerk zu einem eigenständigen, hochgeschätzten Protagonisten.

 

Frans Francken II und Atelier, Blumen in einer Prunkvase, 1610er Jahre Öl auf Eichenholz, Privatbesitz © Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

 

Adriaen Coorte Erdbeeren in einem Tontöpfchen, 1704, Öl auf Papier auf Leinwand, Heinrich und Anny Nolte Stiftung © Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln

 

Es war eine Zeit der Opulenz, des Prunks, und die Künstler, die prachtvolle, zuweilen überbordende, immer bewundernswerte und kostbar anzusehende Blumenstillleben schufen, sparten auch in ihren leidenschaftlichen Arrangements die vergängliche Schönheit der Blume nicht aus, wie das Kölner Wallraf-Richartz-Museum mit seiner Ausstellung „B{L}OOMING – Barocke Blütenpracht“ aufzeigt.


Besonders in den Niederlanden war das Blumenstillleben das ultimative Statussymbol. Die Maler schufen im hyperrealistischem Duktus Kompositionen, die in der Wirklichkeit gar nicht möglich waren. So kombinierten sie Frühlingsblumen mit Sommerblüten, die zur gleichen Zeit nie gemeinsam geblüht hätten. Ihre Gemälde waren (sind) perfekt inszenierte, botanische Lügen.
     Und es gibt eine dunkle Seite der Schönheit. Ein angefressenes Blatt, eine herabgefallene Blüte oder ein kleiner Käfer, der am Stiel nagt. Die Botschaft zwischen den Blättern? Alles Schöne vergeht.


Mit bekannten und unbekannten, zum Teil neu erforschten und frisch restaurierten Stillleben, Porträts und Allegorien aus Privatsammlungen und eigenem Bestand präsentiert das Kölner Museum den Boom und die Vielfalt von Blumenmotiven im Barock.

 

Italien 2. Hälfte 17. Jahrhundert, Blumenkranz um Amor mit ruhender Frau (Venus?), Öl auf Leinwand, Wallraf Richartz Museum & Fondation Corboud, Köln © Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln


Das Haus notiert zu seiner Schau: „In B{L}OOMING grünt und blüht ein Novum: Denn um 1600 werden bunte Blumensträuße und kunstvoll geflochtene Girlanden zu einem eigenständigen Bildmotiv und entwickeln sich rasch zu einer beliebten Gemäldegattung.

     Die Blumenmalerei startete ihren Siegeszug in Flanderen und war bald in vielen europäischen Ländern äußerst populär, wie sich leicht an der Herkunft der gezeigten Meister ablesen lässt: Flamen wie Daniel Seghers und Jan Brueghel d.Ä., auch bekannt als „Blumenbrueghel“, Holländer wie Adriaen Coorte und Roelant Savery sowie der Italiener Giovanni Stanchi und der Deutsche Peter Binoit sind in der Ausstellung vereint. All ihre Werke blühen heute noch genauso farbenfroh wie am Tag ihrer malerischen Geburt vor vier Jahrhunderten.“


Auch interessant: Einen real „blühenden“ Rundgang bietet mit dem Event Palastblühen der Kunstpalast in Düsseldorf. Bereits zum dritten Mal verwandeln floristische Kompositionen vom 17.-26. April 2026 den Sammlungsrundgang in ein lebendiges Gesamtkunstwerk – farbenfroh, duftend und vergänglich schön. (mehr)
rART/bra

 

Die Ausstellung „B{L}OOMING – Barocke Blütenpracht“ ist bis zum 02.08.2026 zu sehen.

WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM & FONDATION CORBOUD
Obenmarspforten
Am Kölner Rathaus
50667 Köln
Tel.: 0221 / 221 - 211 19
Öffnungszeiten
DI – SO 10 – 18 Uhr