FOTOGRAFIE
150 Jahre Sander
Der Fotograf August Sander (1876-1964) portraitierte jahrzehntelang die Menschen seiner Zeit. Und dies in der Fototechnik seiner Zeit – nämlich in Schwarz-Weiß. Sander gehört zu den Wegbereitern der dokumentarisch-sachlichen Fotografie und gilt als einer der wichtigsten Lichtbild-Künstler des 20. Jahrhunderts.
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August Sander Bauern, 1927 / © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026 |
Mit dem international bekannten Portraitprojekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ schuf er ein kunst- und kulturhistorisch einzigartiges, epochemachendes Fotowerk.
Zu seinem 150. Geburtstag zeigt die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn eine umfassende Werkschau.
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August Sander Zauberer, 1930 / © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026
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Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Köln. Dort lebte und arbeitete Sander mehr als 30 Jahre. Die Stadt mit ihrer historischen Architektur und kulturellen Vielfalt, etwa dem rheinischen Karneval oder der Kölner Gruppe progressiver Künstler, bot dem gebürtig aus Herdorf im Westerwald stammenden Lichtbildner künstlerische wie wirtschaftliche Entfaltungsmöglichkeiten.
Wie das Wohn- und Arbeitsumfeld der seinerzeitigen Familien aussah, zeigt die zwischen 1930 und 1942/1943 entstandene Bildgruppe „Lichtbildwerkstatt August Sander, Köln-Lindenthal“, die erstmals in diesem Umfang in einer Ausstellung präsentiert wird.
Begleitend erscheint bei Schirmer/Mosel eine Publikation, die dieses Foto-Konvolut mit sechs Radiovorträgen zusammenführt, die Sander 1931 im Auftrag der Westdeutschen Rundfunk AG (WERAG) verfasste und die ausgestrahlt wurden. Die Vorträge sind im Ausstellungsraum im Kölner Medienpark in neu eingesprochener Fassung zu hören.
Sanders enge Verbindung zur bildenden Kunst zeigt sich im Austausch mit Franz Wilhelm Seiwert und Heinrich Hoerle aus der Kölner Gruppe progressiver Künstler, deren Werke er reproduzierte und teils selbst besaß (mehr).
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August Sander Die Familie in der Generation, 1912 / © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026 |
Die gezeigten Konvolute „Studien“, „Der Mensch“ und „Mensch und Maschine“ verdeutlichen Sanders Blick auf gesellschaftliche und humane Fragen, wobei die menschliche Hand als wiederkehrendes Motiv fungiert. Auch Landschaft und Botanik gehören zu seinem Gesamtwerk. Geprägt von seiner Herkunft aus dem ländlichen und rauen Westerwald, dokumentierte er dort regelmäßig Land und Leute, ebenso wie später die Rheinregion, das Siebengebirge und die Eifel. 1942/1943 zog er kriegsbedingt von Köln nach Kuchhausen nahe Windeck, also ins heimische Westerwaldgebiet.
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August Sander Gemeiner Wurmfarn, 1930er-Jahre / © Die Photographische Sammlung/Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn, August Sander Archiv, Köln; VG Bild-Kunst, Bonn 2026
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Sander kam erstmals als sogenannter „Haldenjunge“ in den Eisenerzgruben seiner Heimat mit der Fotografie in Kontakt. Nach Militärdienst und Fotoausbildung in Trier absolviert er zwei Wanderjahre, die ihn unter anderen nach Berlin, Halle, Leipzig, Chemnitz und Dresden führten. In Dresden besuchte er eine Zeichenschule, solange wie seine „Mittel reichten“, wird er zitiert.
Die erste eigene Werkstatt für bildmäßige Photographie betrieb er als 28-Jähriger ab 1904 im österreichischen Linz an der Donau. Arbeitsschwerpunkte waren Portrait-, Architektur-, Landschafts- und Sachaufnahmen.
1910 siedelte Sander mit seiner Familie nach Köln über und eröffnet im Stadtteil Lindenthal ein Atelier.
Eine Besonderheit, abgesehen von seiner Tätigkeit in Linz/Donau, war Sanders einzige Auslandsreise 1927 nach Sardinien mit dem Monschauer Schriftsteller Ludwig Mathar (1882–1958) für ein nicht realisiertes Buchprojekt. Mehrere Wochen bereiste er die Insel und schuf eine beeindruckende photografische Dokumentation der Menschen und ihrer alltäglichen Umgebung, der Landschaft wie auch der kulturellen Eigenheiten. Die 300 Sardinien-Negative gelten heute als ein seltenes visuelles Zeugnis einer damals noch kaum besuchten Region.
rART/ cpw
► Seit 1992 befindet sich das August Sander Archiv in der Photographischen Sammlung/ Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn. Nahezu sämtliche Exponate entstammen dem hauseigenen Bestand. Es handelt sich um den weltweit größten Fundus zum Werk des Fotografen, der über berühmte Motive hinaus eine Vielzahl an bislang kaum bekannten Fotoarbeiten und Themenkomplexen bietet.
► Die Ausstellung wird von der Kunststiftung NRW gefördert. Sie findet im Rahmen des Jubiläumsprogramms 50 Jahre Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn 1976 – 2026 statt.
Die Ausstellung August Sander – Zum 150. Geburtstag ist bis zum 24. Januar 2027 zu sehen.
Die Photographische Sammlung/
Stiftung Kultur der Sparkasse KölnBonn
Im Medienpark 7
50670 Köln
Tel 0221 88895 311
Öffnungszeiten
Täglich von 14 – 19 Uhr
Mittwochs geschlossen
Erster Donnerstag im Monat ist der Eintritt frei, es gelten verlängerte Öffnungszeiten bis 21 Uhr
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