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Künstlerachse Paris – Brüssel
Die vibrierende Kunstwelt dieser beiden pulsierenden Metropolen schrieb ab dem späten 19. Jahrhundert Kunstgeschichte. Neue Kunstströmungen gingen aus dem kreativen Netzwerk avantgardistischer Maler und Bildhauer hervor. An Deutschland aber zunächst vorbei!
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Maurice Denis Juli, 1892 © Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Peter Schälchli, Zürich. Bildquelle © Arp Museum Remagen 2025 |
Vier epochemachende Kunstströmungen gingen dank dieses, wenn man so will, „europäischen Dialogs zwischen Frankreich und Belgien“, aus der Kooperation hervor, „nämlich der Impressionismus, Pointillismus, Symbolismus und Fauvismus“, erklärt Kuratorin Susanne Blöcker vom Arp Museum Rolandseck in Remagen.
Das Haus beleuchtet aktuell mit der Ausstellung „Seelenlandschaften“ dieses zentrale Kapitel in Europas Kunstgeschichte. Eine gute Wahl! Denn diese künstlerischen Neuerungen erzeugten eine kolossale Sogwirkung.
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James Ensor Skelett verhaftet Maskierte, 1891 © The Phoebus Foundation, Antwerp. Bildquelle © Arp Museum Remagen 2025 |
Die Ausstellung ist, trotz zahlreicher früher andernorts gezeigter Schauen, eine erstmals in Deutschland präsentierte Kollektion mit Spitzenwerken aus der bedeutenden Antwerpener Phoebus Foundation. Viele Gemälde waren der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich. Von daher trägt diese Ausstellung zu Recht den Titel: Außergewöhnlich!
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Léon Spilliaert, Pose – Einsamkeit, 1901 © The Phoebus Foundation, Antwerp. Bildquelle © Arp Museum Remagen 2025
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Belgische Künstler wie Léon Spilliaert, Théo van Rysselberghe, George Minne und James Ensor pflegten einen intensiven wie gewinnbringenden Austausch mit ihren französischen Kollegen an der Seine.
Dabei fanden sie ganz eigene Ausprägungen der epochalen wie bahnbrechenden Kunstströmungen. Das Arp Museum stellt nun den Werken französischer Meister aus der eigenen Sammlung Rau für UNICEF, darunter Claude Monet, Paul Signac oder Maurice Denis, die Belgier zur Seite.
Diese Kombination verdeutlicht den regen Austausch und die Netzwerkarbeit der Avantgardisten und macht ihre gegenseitige künstlerische „Befruchtung“, wie es im Arp Museum heißt, lebendig. Mit „Seelenlandschaften“ wird die Suche dieser Gruppen nach einem Existenzialismus, „der tief in der menschlichen Seele verwurzelt ist und vom düsteren, teilweise bis ins Absurde gesteigerten Rausch des Fin de Siècle“ befeuert wurde, erkennbar.
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Théo Van Rysselberghe Das Tennisspiel, 1889 © The Phoebus Foundation, Antwerp. Bildquelle © Arp Museum Remagen 2025 |
Ein spezieller Blick auf den Symbolismus, der in Deutschland nur wenig Resonanz fand, ist hier angebracht. Der aus der belgischen Hafen- und Bäderstadt Ostende stammende Symbolist James Ensor war einer der Hauptvertreter. Er steht nicht nur in seiner Heimat in hohem Ansehen. Längst ist Ensor, der bis zum 69. Lebensjahr Brite war, ein international anerkannter Großmeister, dessen Werke weltweit zu sehen sind. Ähnlich geht es dem Landsmann Leon Spilliaert, ebenfalls gebürtig aus Ostende, jedoch über 20 Jahre jünger. Dessen beklemmend fremdartige Arbeiten und dramatische, geisterhafte Selbstinszenierungen gelten als Verbindung zwischen Symbolismus und Expressionismus.
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James Ensor Stillleben mit Muscheln, 1933 © The Phoebus Foundation, Antwerp. Bildquelle © Arp Museum Remagen 2025
Claude Monet Häuser im Schnee in Norwegen, 1895 © Arp Museum Bahnhof Rolandseck/Sammlung Rau für UNICEF, Foto: Peter Schälchli, Zürich. Bildquelle © Arp Museum Remagen 2025
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Auch in Frankreich ist die Wahrnehmung dieser Stilrichtung eine andere. Dort stehen Symbolisten, allen voran James Ensor, hoch im Kurs. Bekanntlich greift diese Kunstströmung stark das Erzählerische in der Bildenden Kunst auf: verbindet Realistisches mit den geistigen Vorstellungen des Künstlers, vermengt, was angeblich nicht zusammen gehört und bleibt alles in allem phantastisch, mythisch, märchenhaft, vielleicht manches Mal surreal.
Aus deutscher Sicht hat sich allein im Rheinland das Neusser Clemens-Sels-Museum (mehr) früh dem französischen und belgischen Symbolismus gewidmet und einzigartige Werke unter anderem auch von Ensor im Bestand. Das dürfte man als Alleinstellungsmerkmal werten, denn hiesige Kollektionen enthalten heute kaum Werke der Belgier.
Die Arp-Direktorin Julia Wallner würdigte die Kooperation mit The Phoebus Foundation, Antwerp und wies darauf hin, dass die Ausstellung „Highlights aus einer der interessantesten und umfangreichsten Sammlungen Belgiens“ präsentiere.
Wallner: „In Zusammenarbeit mit der herausragenden The Phoebus Foundation, Antwerp ist einer der schönsten Sammlungsdialoge erwachsen, den wir im Arp Museum je realisieren konnten.“ In der Tat handelt es sich um eine der größten Sammlungen Belgiens und um eine beeindruckende Leihgabe.
Dem Besucher öffnet sich eine hochinteressante Schau, wie sie hierzulande eher selten präsentiert wird. Ensor, Monet und Spilliaert sind Schwergewichte in ihr, künstlerisch vereint in den „Seelenlandschaften“ und einst in einem Netzwerk an der Wende zur Moderne.
rART/K2M
► The Phoebus Foundation, Antwerp ist eine seit 2023 als gemeinnützig anerkannte Kunststiftung mit philanthropischen Zielsetzungen. Sie erwirbt Kunstwerke und stellt einen professionellen Rahmen für deren Erhaltung und Verwaltung bereit, gewährleistet ihre Bewahrung, Restaurierung und wissenschaftliche Erforschung. Sie wurde mit dem Ziel gegründet, die Zukunft der Sammlung zu sichern, die ursprünglich eine private Sammlung von Fernand Huts und Karine Van den Heuvel beziehungsweise der Katoen Natie Group S.A. war. Das belgische Logistik- und Hafenunternehmen arbeitet global und beschäftigt über 18 000 Mitarbeiter.
Die Ausstellung Seelenlandschaften James Ensor – Claude Monet – Léon Spilliaert wird bis zum 8. März 2026 gezeigt.
Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Hans-Arp-Allee 1
53424 Remagen
Tel 02228 942516
Öffnungszeiten
DI 11 – 18 Uhr
DO – SO 11 – 18 Uhr
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